Workshops (Teil I)

Workshop 3: Ebene Material & Technik

Lebenszyklus – ReDuce, ReUse, ReCycle

»Wie kann ressourcenschonendes Bauen gestärkt werden?«

 

Alnatura Campus in Darmstadt, Fotograf Roland Halbe © haascookzemmrich

Hintergrund

Hinsichtlich des CO₂-Fußabdrucks eines Gebäudes gibt es aktuell eine Trendwende. Nicht das Heizen wird künftig den Hauptanteil am Ausstoß von Treibhausgasen ausmachen, sondern die Konstruktion. In der aktuellen energetischen Bewertung von Gebäuden spielt jedoch der für die Konstruktion aufgewendete (graue) Energiebedarf keine Rolle. Sowohl das aktuelle Energieeinsparrecht als auch die energetische Gebäudeförderung sind in Sachen grauer Energie „blind“. Nicht nur aus energetischer Sicht, sondern auch aus Gründen der Ressourcenknappheit und des hohen Abfallaufkommens im Bauwesen ist es überfällig, den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden in den Blick zu nehmen.

Der Lebenszyklus eines Gebäudes umfasst drei Phasen: Herstellung, Nutzung und Rückbau. In der aktuellen Bewertung von Gebäuden spielt jedoch der Lebenszyklus in seiner Gesamtheit keine entscheidende Rolle, da sich sowohl die monetäre als auch die energetische Bewertung bisher auf jeweils eine Phase beschränken: während für die Kosten die Herstellung maßgebend ist, wird für die energetische Bilanzierung nur die Nutzungsphase herangezogen.

Im Sinne einer effizienten Nutzung von Ressourcen wäre es jedoch geboten, diese Sichtweise aufzuheben und den gesamten Lebenszyklus in den Blick zu nehmen. Die Zielsetzung wäre es dabei: Erstens, den Energieverbrauch auch für Errichtung und Rückbau zu bilanzieren und zu begrenzen. Zweitens hinsichtlich der monetären Betrachtung auch auf die perspektivischen Kosten während der Nutzungsphase zu schauen. Drittens auch die letzte Phase im Lebenszyklus eines Gebäudes, den Rückbau, zu berücksichtigen und den Rückbauaufwand sowie die Wiederverwertbarkeit der Materialien zu beachten.

Architekten spielen dabei eine besonders wichtige Rolle, denn die wichtigsten Stellschrauben für ressourcenschonendes Bauen werden bereits in den frühen Phasen der Planung gesetzt. Mit dem Alnatura Campus in Darmstadt ist ein architektonischer Meilenstein in puncto Nachhaltigkeit und Materialeffizienz entstanden. Das Büro haas cook zemmrich stellt anhand des Projektbeispiels vor, wie die Lebenszyklusbetrachtung den Entwurf des Gebäudes beeinflusste und welche konkreten Ideen umgesetzt wurden.

Projekte wie der Alnatura Campus haben jedoch nach wie vor eher einen Exotenstatus – nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Förderung und wegen verschiedener (bau)ordnungsrechtlicher Hindernisse. In dem Workshop soll es um die Frage gehen, wie das ressourcenschonende Bauen künftig gestärkt werden könnte.

 

Moderation

Sven Schlebes
Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Goldene Zeiten Berlin

 

Theorie-Impuls

Dr.-Ing. Anja Rosen
Architektin
Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Baukonstruktion Entwurf|Materialkunde an der Bergischen Universität Wuppertal
Sachverständige für Nachhaltiges Bauen [SHB] | DGNB-Auditorin

 

Praxis-Impuls: Alnatura Campus in Darmstadt

Martin Haas
Freier Architekt BDA
Miller Chair University of Pennsylvania, Philadelphia USA
haascookzemmrich Studio2050, Inhaber

 

Diskussion

Dr. Alexander Renner
Leiter des Referats IIC1 - Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudebereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Markus Müller
Geschäftsführer bei Freie Architekten Müller, Arndt, Partner ⅼ Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg | Vorsitzender der BAK-Ausschusses Wirtschaft, Energie, Baukultur

Zurück

^