Workshops (Teil I)

Workshop 2: Ebene Gebäude & Struktur

Suffizienz: Mehr als nur weniger

»Wie ließe sich das Prinzip „Mäßigung“ im Gebäudebereich stärker fördern?«

 

K 76, Genossenschaftsbau, Karlstraße 76, 64283 Darmstadt, © Fotograf Thomas Ott, Mühltal. Die Rechte der Bilder liegen bei werk.um.

Hintergrund

In Zeiten steigender Mieten und Wohnungsnot in Ballungsgebieten gewinnt das Prinzip der Suffizienz an Bedeutung. Nicht nur aus dem Blickwinkel der Bezahlbarkeit, auch und vor allem aus der Perspektive des Klimaschutzes und der knapper werdenden Ressourcen wird man um Suffizienz-Überlegungen bei der Planung und Nutzung von Gebäuden künftig kaum noch herumkommen.

Die beiden Energiewende-Strategien „Effizienz“ und „Erneuerbare“ erzielen ihre eigentliche Durchschlagskraft erst durch die Suffizienz. Trotz vielfältiger Innovationen in Effizienz und trotz wachsenden Einsatzes erneuerbarer Energien kommen wir den Klimaschutzzielen nicht näher, solange das Handeln im Gebäudebereich nicht auf eine verminderte Inanspruchnahme von Fläche und Ressourcen abzielt. Sehr gut lässt sich dies am Beispiel des seit Jahren ansteigenden Pro-Kopf-Wohnflächenbedarfs beschreiben. Obwohl der Wärmebedarf pro Wohnfläche in den letzten Jahren dank Effizienzsteigerung stetig zurückging, führte der wachsende Wohnflächenbedarf zu stagnierenden oder sogar steigenden Pro-Kopf-Wärmeverbräuchen. So werden die Effizienzfortschritte durch das Wachsen der Ansprüche an Lebensqualität zunichte gemacht.

Zum ungebremsten Verbrauch von Flächen und Ressourcen gibt es ästhetisch überzeugende und gestalterisch anspruchsvolle Alternativen: Wohnmodelle und Arbeitswelten, die maßvoll mit Ressourcen umgehen und bei denen sich Bauherren und Architekten bereits vor Beginn des Planungsprozesses fragten, wie viel Raum wirklich benötigt wird und wie dieser sich optimal gestalten lässt. So kann suffizientes Bauen funktionieren.

Die Absicht, den entgrenzten Flächen-, Ressourcen- und Energiebedarf im Wohnungsbau einzudämmen, war wesentliche Leitidee des im Workshop vorgestellten Genossenschaftswohnungsbaus K76 in Darmstadt. Projekte wie dieses, bei denen Suffizienz als Planungsprinzip angewandt wird, sind bislang jedoch eher die Ausnahme als die Regel. In der heutigen Förderung und auch im Ordnungsrecht ist Suffizienz ein blinder Fleck. Es stellt sich die Frage, ob es sich bei Suffizienz auch künftig um eine selbstverantwortete Maxime von Bauherren und Architektinnen handeln soll oder ob es gesetzgeberischer Leitplanken und Förderung bedarf.

 

Moderation

Markus Merzbach
Abteilungsdirektor im Key Account Management der KfW Bankengruppe (KfW)

 

Theorie-Impuls

Dr. Robert Kaltenbrunner
Leiter der Abteilung WB: Wohnungs- und Bauwesen im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

 

Praxis-Impuls: To Build or Not to Build. That is the question!

Arne Steffen
Dipl.-Ing. Architekt und Partner bei werk.um.architekten

 

 

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