Streitgespräch

»Wie am besten raus aus der Klimakrise? Durch intelligentes Wachstum oder durch Mäßigung?«

Standpunkt 1 | Pro Wachstum
Prof. Dr. Michael Braungart
Standpunkt 2 | Pro Mäßigung
Prof. Dr. Niko Paech

Thema: »Wie am besten raus aus der Klimakrise? Durch intelligentes Wachstum oder durch Mäßigung?«

Sind Wachstum und Klimaschutz überhaupt kompatibel? Der Einwand der Wachstumskritiker klingt zunächst logisch: Immer mehr und noch mehr. Wie soll das gehen, ohne den Planeten auszubeuten? Aber was ist die Alternative?

Die Verfechter eines „intelligenten“ Wachstums setzen auf Entkoppelung. Die Hoffnung, über eine Green Economy auch bei steigender Wirtschaftsleistung die nötigen CO2-Reduktionen und Klimaziele zu erreichen, hat sich jedoch bislang nicht erfüllt.

Mit den beiden Kontrahenten unseres Streitgesprächs, Herrn Prof. Michael Braungart und Herrn Prof. Niko Paech, standen sich zwei namenhafte Verfechter der beiden Standpunkte „Wachstum“ bzw. „Mäßigung“ gegenüber. Hier ein paar ausgewählte Zitate aus dem Streitgespräch.

 

Standpunkt Wachstum | Prof. Dr. Michael Braungart

Statements / Zitate

 

»Es geht nicht darum, weniger schädlich zu sein. Es kommt darauf an, nützlich zu sein. Nützlich durch intelligente Verschwendung.«

»Das Energieproblem ist kein echtes Energieproblem. Es ist ein Missmanagement von Kohlenstoff. Während die Fläche von 313.000 km² in Europa für Biotreibstoffe verwendet wird, wird gleichzeitig die Fläche Frankreichs als Futtermittel aus Lateinamerika bezogen.«

»Die Energieseite ist nur ein Teil der Gleichung. Die Materialseite ist letztlich weit kritischer. Während die Energieseite inzwischen gut betrachtet wird, wird die Materialseite jedoch übersehen.«

»Bei dem, was ich mache, verstehe ich die Menschen als Chance. Für mich geht es nicht darum, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, sondern einen großen Fußabdruck zu hinterlassen, der ein Feuchtgebiet ist. Warum will ich nicht einen großen Fußabdruck haben, der den anderen Lebewesen nutzt? «

»Ein Kirschbaum wirkt verschwenderisch. Über und über ist er im Frühjahr bedeckt von Blüten, erfreut Menschen mit seiner Schönheit, versorgt Vögel und Insekten mit Früchten. Auch Boden, Kleinstlebewesen und Pflanzen profitieren, wenn er seine Blätter zur Erde fallen lässt. Und doch verschwendet er nichts. Ein Kirschbaum beschenkt alle mit seinem unermüdlichen Schaffen. Der Baum ist eingebunden in einen immerwährenden Kreislauf.«

»Um weniger schädlich zu sein, sind wir zu viele Menschen auf der Welt. Wir müssen deshalb „mehr nützlich“ sein.«

»Wir müssen die Dinge nochmal neu denken:
Nicht ReUse ReDuce ReCycle
sondern
ReThink ReInvent ReDesign«

»Es ergibt keinen Sinn, klimaneutral sein zu wollen. Hat denn jemand schon einen klimaneutralen Baum gesehen?«

 

 

Standpunkt Mäßigung | Prof. Dr. Niko Paech

Statements / Zitate

 

»Die deutsche „Energiewende“ scheitert an einem fatalen Realitätsverlust, weil sie ein rein technologisches Unterfangen darstellt und unter dem Vorbehalt steht, das aktuelle Wachstumsmodell nicht anzutasten. Wachstum und Klimaschutz, der nicht mit neuen Umweltschäden erkauft wird, schließen sich aus.«

»Allein eine Suffizienz-Strategie, also die Reduktion der Mobilitäts- und Güternachfrage verspricht Klimaschutzeffekte. Aus Gründen der ökonomischen Effizienz und sozialen Ausgewogenheit sollte dabei zwischen Luxus und essentiellen Bedürfnissen unterschieden werden.«

»Einerseits ist unser heutiges Wohlstandsmodell ohne Wachstum nicht zu stabilisieren. Andererseits ist es weder theoretisch darstellbar, noch empirisch jemals eingetreten, die Wirtschaft wachsen zu lassen, ohne ökologische Schäden zu verursachen. Die bisherigen Versuche, ein umweltverträgliches Wachstum durch technische Innovationen oder nachhaltige Produktdesigns zu erreichen, sind rigoros gescheitert, weil die Schäden auf diese Weise nur verlagert oder in andere Schadenskategorien überführt wurden.«

»Eine Entkopplung des aktuellen Wohlstandes ist von Umweltschäden nicht möglich. Es ist daher logisch, dass nur die Reduktion der Mobilitäts- und Konsumansprüche dazu verhilft, die ökologischen Grenzen einzuhalten.«

»Der Mensch strebt nach psychischer Stabilität. Er strebt danach, lieb gewonnene Gewohnheiten beizubehalten. Das verhindert Nachhaltigkeit.«

»Ich sehe vor allem drei Gründe, warum „Grünes Wachstum“ nichts bringt. Erstens eine Überschätzung des technischen Fortschritts. Zweitens eine Unterschätzung der Rebound-Effekte. Und drittens ein ökologisches Versteckspiel, welches darauf basiert, durch symbolische Handlungen von den Nachhaltigkeitsdefiziten der eigenen Lebensführung abzulenken.«

»Wenn von Mäßigung die Rede ist, ist damit gemeint, eine Beute zurückzugeben. Das kann man gern als Moral bezeichnen. Denn vermutlich hat kaum jemand Lust, in einer moral-losen Welt zu leben.«

»Wir sind nicht in der Lage, durch technischen Fortschritt menschliche Bedürfnisse zum Nulltarif zu befriedigen. Das widerspricht den Gesetzen der Thermodynamik.«

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